Mariazell

Wallfahrer Einblicke von Elfriede Huber-Reismann ...
Viele Jahre spielte ich schon mit dem Gedanken auf Wallfahrt nach Mariazell zu gehen. Immer gab es etwas, dass mich schlussendlich doch wieder davon abhielt. Aber heuer, am Sonntag, den 25. August 2024, stand ich in der Früh mit sieben weiteren Walfahrer:innen in der Kirche in Kumberg beim Segen und war fest entschlossen mitzugehen. Eigentlich hatte ich ja trainieren wollen, aber vor lauter Arbeit ist dann doch nichts daraus geworden. So war ich schon ein wenig unsicher, ob ich mit den langjährigen Erfahrenen oder den jungen Burschen mithalten werden können. (Gleich vorweg: es gelang!) Die erste Etappe führte über Gutenberg mit Labestation und den Gollersattel nach Arzberg. Immer wieder gab es Pausen und auch das eine oder andere Schnäpschen machte die Runde. Man kann die „Flaschenträger“ ja nicht alles schleppen lassen. Hier erfuhr ich auch, was „Wallfahrerschnitten“ sind. Mittlerweile waren weitere Wallfahrerinnen zu uns gestoßen. Der Weg führte uns weiter nach Passail, dann entlang der Raab bis zum Talschluss. Von hier ging es unangenehm steil bergan über den Raabursprung auf die Teichalm bis zur Pension Holzmeister, wo wir nach acht Stunden Gehzeit ein köstliches Abendessen genossen und plauderten, bevor wir müde, aber zufrieden ins Bett fielen.
Am zweiten Tag in der Früh kamen noch weitere Wallfahrer:innen hinzu. Um 8 Uhr starteten nun vierzehn Personen Richtung Sommeralm und kamen gegen 11 Uhr zum Straßeggerwirt, der uns nach einer Jausenpause mit einem traditionellen Ständchen auf seiner steirischen Harmonika hinausgeleitete. Den Unterschied zu einer gewöhnlichen Wanderung machten die täglichen, kurzen Andachten, die Wallfahrtsorganisator Rudolf Drobar leitete. Über einen hübschen Waldweg und mehrere Kuhgatter führte der Weg auf die Schanz, an riesigen Windrädern vorbei bis zum Kumberger Wallfahrerkreuz und weiter auf die Stanglalm. Die nächste Nacht verbrachten wir dort in der Wittmaierhütte. Im Matratzenlager waren wir streng nach Buben und Mädchen getrennt einquartiert. Gottseidank schnarchte niemand. Schweinsbraten am Abend und Minibuffet in der Früh waren köstlich.
Bei bedecktem Himmel aber trockenem Wetter marschierte die Wallfahrtsgruppe am dritten Tag zwei Stunden über den Forstweg hinunter nach Mitterndorf. In zwei Partien fuhren wir mit dem Bus auf die andere Talseite zur Brunnalm und ersparten uns damit einen mehrstündigen Marsch entlang staubiger Asphaltstraßen. Nach einem steilen Anstieg erreichten wir die Schalleralm und wanderten weiter zur Rotsohlalmhütte, wo wir ein warmes Mittagessen bekamen. Die Hohe Veitsch umrundeten wir wetterbedingt und kamen am späten Nachmittag, kurz bevor es zu regnen begann, beim Plodererhof in Niederalpl an. Essen á la carte und Schlafen im Matratzenlager oder im Zimmer standen zur Wahl. Mittlerweile war ich so müde, dass ich wohl auch an die Wand gelehnt geschlafen hätte. So manchen plagten bereits Blasen an den Füßen, aber aufgeben war für niemanden eine Option.
Am vierten Tag hatten wir wieder schönes Wetter auf unserem Weg zum Herrenboden, einer idyllischen Almlandschaft auf 1.400 Metern Seehöhe. Ein langer, steinig-rutschiger Abstieg führte Richtung Mooshube und Halltal. Die Vorfreude auf das Ziel und die Wehmut, dass es der letzte Tag der Wallfahrt sein würde, kennzeichneten den Tag. Die letzte Hürde, der steile Anstieg am Kreuzberg, wurde mit einem Blick auf Mariazell im Sonnenschein belohnt. Beim Luckerten Kreuz trafen wir auf Pater Karl Peinhopf und eine kleine Delegation der Kumberger Buswallfahrer:innen, die uns in Empfang nahmen. Das kurze Stück zur Marienkirche war nach vier Tagen Fußmarsch kein Auftrag mehr. Um 4 Uhr nachmittags zogen die vierzehn Fuß- und die vierzig Buswallfahrer:innen mit dem Kreuz feierlich zur Messe in die Kirche ein. Orgelspiel und Messfeier gestalteten unsere Gruppe selbst.
Dankbar für das Erlebte, müde von der Anstrengung und mit den ersten Gedanken wieder im Alltag fuhren wir alle im Bus nachhause. Ein herzliches Vergeltsgott sei an dieser Stelle allen gesagt, die zum Gelingen dieser Wallfahrt beigetragen haben. In Erinnerung blieb mir vor allem die Gemeinschaft der Gehenden und die spürbare Auszeit, die diese vier Tage Wallfahrt prägten.
Elfriede Huber-Reismann