Die Kirche der hl. Radegundis heute

Das Langhaus bildet ein vierjochiges Schiff von breiter, gedrückter Form mit Netzgewölbe auf Achteckpfeilern. Der Chor ist wegen des in die Kirche hineinragenden Südturmes verschoben. Auch ist die Mittelachse des Chores gegenüber dem Langhaus leicht geknickt. Strebepfeiler befinden sich nur am Langhaus. Vermutlich stellt der Chor mit Apsis das kleine, schon 1186 erwähnte Kirchlein dar, und das Langhaus mit Turm wäre dann die Erweiterung von 1490.
Das Innere zieren Fresken: In der Turmkapelle zeigt ein an die Wand gemalter Flügelaltar die Beweinung Christi, flankiert von den Heiligen Andreas und Sebastian. Der Rahmen zeigt die Jahreszahl der Altarweihe durch den Seckauer Bischof Christoph Zach 1506. Die beiden Seitenaltäre im Schiff haben ebenfalls Fresken als Altarbilder mit Rankenwerk; links die Geburt Jesu, rechts Christus am Kreuz. Die Sakramentsnische in der Nordwand des Presbyteriums (laut Aufschrift des neugotischen Türgitters seit 1896 Reliquienbehältnis) ist von gotischen Säulchen in Steinmetzarbeit und gemalten Ranken umgeben. Die Apostelkreuze aus 1984 stammen von der Akademischen Malerin Prof. Dina Kerciku.
Den neugotischen Hochaltar aus 1895 entwarf August Ortwein. Er trägt eine Statue der hl. Radegundis als Königin und zwei Reliefs mit Szenen aus ihrem Leben.
Den neuen Volksaltar hat 2011 die Architektin Dipl.-Ing. Heidrun Primas geschaffen. Die Mensa – eine durchbrochene Metallplatte – liegt auf einem Ikosaeder (einer geometrischen Figur mit zwanzig gleichseitigen Dreiecken) aus Beton. Darin sind Steine eingegossen, die von Pfarrangehörigen gebracht worden waren.
Der gläserne Ambo, ebenfalls von Frau Dipl.-Ing. Primas, wurde als Lichtsäule ausgeführt und erinnert an die Feuersäule, in der Gott sein Volk Israel durch die Wüste führte.
Die Turmkapelle dient heute als Taufkapelle. Die Orgel aus 1949, ein Werk des Salzburgers Dreher, besitzt 15 Register mit über 1200 Pfeifen. Von den Glocken stammt eine aus der Zeit um 1600 und wurde von Medardus Reig in Graz gegossen; die drei anderen wurden 1957 angeschafft. Zusammen ergeben sie die Anfangstöne des bekannten Liedes „Salve Regina“ (Sei gegrüßt, o Königin).
Außen befinden sich über dem Westportal das Wappen des Seckauer Bischofs Mathias Scheidt (1482-1503), an der Nordwand ein römisches Grabsteinfragment aus dem 2. Jahrhundert und am Turmsockel eine kleine drachenähnliche Figur, die einen Dämon darstellen soll.
Autor: Dr. Wolfgang Schöffmann