Das "Weiße Kreuz"

Neben dem „Roten Kreuz“ in der Meierhöfenstraße gibt es dort auch ein „Weißes Kreuz“, das am ehemaligen nördlichen Ortseingang nach Kumberg steht, genauer am Beginn der „Pfarrgründe“.
Das Weiße Kreuz stellt sich heute als gemauerte Wegkapelle mit zwei wuchtigen Säulen dar, die in ihrer Formensprache auf die Zeit um 1850 bis 1870 weist. Die zentrale Figur, auf einem kleinen Altarpodest situiert, ist eine aus Stein gehauene, kunstvolle Schmerzhafte Muttergottes, eine Pietá, aus der Zeit um 1890. Diese ist zwar vom bekannten Grazer Bildhauer Jakob Gschiel signiert, unser 1930 verstorbener Kumberger Bildhauer Johann Wartbichler, der bei Gschiel gearbeitet hatte, erzählte aber immer, dass eigentlich er sie angefertigt habe.
Die auf der Marmortafel in der Kapelle angebrachte Inschrift lautet:
Heilige Mutter! Drück ? die Wunden, Die dein Sohn am Kreuz empfangen, Tief in meine Seele ein.
Das „Weiße Kreuz“ spielt im religiösen Leben der Pfarrgemeinde auch heute noch eine bedeutende Rolle. Es ist eine Station des Fronleichnamsumzuges, und es ist vor allem am Palmsonntag der Ort der Palmzweigsegnung, und so ist es in mehrfacher Hinsicht eines der österlichsten Glaubenszeichen unserer Pfarre. Die Palmsegnung erinnert an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem, die schmerzhafte Muttergottes an sein Leiden und seinen Tod. Und dennoch wissen wir als Christen, dass dieser Tod nicht das Ende war, sondern ein neuer Anfang.
Bernhard Reismann